Ursula teilt ihre Gedanken mit uns:
„Wer weiß, vielleicht können wir die Tipps unserer Vorfahren für Notzeiten noch einmal gut gebrauchen. Die aktuelle Weltpolitik lässt viel Spielraum für alle möglichen Gedanken.“
Hier kommt Uschis gut gemeinter Beitrag als Abschrift des 200 Jahre alten Originaltextes:
Essig aus faulem Obst.
Dieser wird sehr vortrefflich und ohne den ge-
ringsten fauligen Geschmack, wobei das auf’s Vor-
theilhafteste benutzt wird, was man sonst als ganz
unbrauchbar weggeworfen hat. Es sind wenige Haus-
Haltungen, wo nicht etwas Obst über Winter gehal-
ten wird. Dabei gibt es immer einigen Abgang an
faulem Obst. Man sammle es den ganzen Winter
über, werfe alles zusammen in ein aufgeschlagenes
Faß, das keinen Leck hat, und stelle es in den Kel-
ler zu den übrigen Aepfeln. (Denn außerhalb dessel-
ben konnte es leicht im Winter zusammenfrieren,
was der Masse zum Essig nachtheilig wäre). Man
kann auch alle Schalen und den übrigen Abfall von
Obst, das gekocht oder sonst verbraucht wird, so wie
alles erfrorene und unreife Obst dazu werfen. Im
Frühjahr verwendet man dasselbe auf folgende Weise:
Man zerstößt das faule Obst in einem Stoß-
trog oder in einem Tubben, (Zuber) schüttet dasselbe
auf eine Kelter oder eine Kräuterpresse, und keltert
es ab. Es läuft alsdann ein heller Saft herunter,
und der Geschmack desselben ist süß, und zur Ver-
wunderung gut, ausgenommen der faulige Geschmack;
welcher jedoch dem Essig nicht im mindesten anhan-
gen bleibt, sondern durch die Gährung verzehrt
wird. Diesen Saft seihet man entweder gleich durch
ein Tuch, oder man läßt ihn 2 oder 3 Tage in ei-
nem aufgeschlagenen Fasse stehen; alles etwa noch
zurückgebliebene Mark setzt sich während dieser Zeit
auf die Oberfläche. Dieses nimmt man weg, und
schüttet den Saft oder Most in ein Essigfaß, das
man vorher mit kochendem Essig ausgebrühet, oder
in das man, auf 30 Qt. Saft 12 Loth gepülverten
Weinstein, oder den Gährungsstoff No. 1. gethan
hat. Wer dann dies oder ½ ohmiges Faß in eine
warme Stube legt, wird in 4 — 5 Wochen einen
brauchbaren guten Essig, der bereits eine fingerdicke
Mutter gezogen, weiterhin aber einen solchen Essig
an ihm finden, der die stärkste Säure, den ange-
nehmsten Essigggeschmack, ohne das mindeste Faulige,
und eine viel schönere dunklere Farbe hat, als der
Essig, der vor Jahr und Tagen von frisch gekelter-
tem Obste, mit mehreren Umständen und Mühe,
bereitet worden ist.