ASOZIAL oder SOUVERÄN !!? Was ist asozial? Wer ist asozial?

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Ronja, Claudia, Sabine und ich haben uns gestern (22.03.2025) mit den Themen Demokratie, Regierung, Regenten, Volk, Armut, Reichtum und zwangsläufig mit dem Begriff „asozial“ auseinandergesetzt.
Überall ist dieser zu hören, er ist so in Umlauf gekommen, dass er ohne über seinen Sinn nachzudenken, blitzschnell ausgesprochen wird oder als Argument missbraucht wird, um Menschen ganz allgemein zu diskreditieren oder Bürger unseres Landes abzustempeln.
Doch was ist „asozial“ eigentlich?
An dieser Stelle unseres  Beitrags wollen wir uns outen. Wir sind nämlich keine Wissenschaftler, wir sind tatsächlich nur „nicht perfekte Normalos“, wir haben Vorurteile, für vieles fehlt uns das erforderliche Verständnis, wir verharren in vorgefassten Meinungen, lassen uns von Sympathikos ziemlich leicht „bequatschen“ und sind alles andere als frei von egoistischen Zielen.
Wir sind wie „Jedermann“. Wir sind wie „Alle“. Wir sind die „Wähler“. Wir werden immer mal wieder umworben und dann als der „Souverän“ bezeichnet.
Wir 4 haben nach unserer „asozial-Diskussion“ diesen Beitrag zusammengestückelt:

  1. Einführung: Stereotypen und Realität

In der öffentlichen Diskussion kursieren häufig Stereotypen, die asoziale Bürger als arbeitsscheu und faul darstellen – Menschen, die sich vor jeder Lohntätigkeit drücken und auf Kosten der fleißigen Mitglieder der Gesellschaft leben. Dieses Bild wird oft als Rechtfertigung dafür herangezogen, staatliche Unterstützungsleistungen zu kürzen oder generell ein negatives Licht auf Menschen zu werfen, die Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Dabei wird übersehen, dass der Begriff „asozial“ in vielen Fällen als pauschale Abwertung verwendet wird, ohne die vielschichtigen sozialen, wirtschaftlichen und persönlichen Hintergründe der Betroffenen zu berücksichtigen. 

  1. Das Bild des „asozialen Bürgers“ in der öffentlichen Debatte

Der Begriff „asozial“ wird häufig im Kontext von Menschen gebraucht, die staatliche Leistungen wie das Bürgergeld beziehen. Es wird suggeriert, dass diese Personen sich dem Arbeitsleben grundsätzlich entziehen und den Tag mit Nichtstun verbringen. Dabei wird oft übersehen, dass diese pauschale Zuschreibung viele komplexe Ursachen ignoriert – von gesundheitlichen Einschränkungen über strukturelle Probleme auf dem Arbeitsmarkt bis hin zu unzureichenden Unterstützungsmaßnahmen. Ein derart vereinfachtes Bild trägt zur Stigmatisierung bei und lenkt von anderen, teils weitaus gravierenderen Missständen ab. 

  1. Arbeitsethik und Leistungsbereitschaft

Die pauschale Behauptung, Bürger, die staatliche Leistungen in Anspruch nehmen, seien grundsätzlich arbeitsscheu, widerspricht der Realität. Viele Menschen, die Unterstützung erhalten, befinden sich in schwierigen Lebenssituationen, in denen es nicht um mangelnde Leistungsbereitschaft geht, sondern um das Fehlen von adäquaten Möglichkeiten und Unterstützungssystemen. Die pauschale Verurteilung von Bürgergeldempfängern greift somit zu kurz und ignoriert die strukturellen Herausforderungen, denen diese Menschen oft ausgesetzt sind. 

  1. Steuervermeidung und Steuerbetrug: Das ungleiche Spiel

4.1 Strategien gutverdienender Bürger

Ein weit verbreitetes Phänomen, das in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommt, ist die gezielte Steuervermeidung durch Menschen mit hohen und sehr hohen Einkommen. Gutverdiener engagieren oftmals spezialisierte Steuerberater, um legale, aber häufig an der Grenze der Legalität operierende Gestaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Dabei werden Steuerschlupflöcher genutzt, um die Steuerlast zu minimieren – häufig auf eine Art und Weise, die als moralisch fragwürdig wahrgenommen wird.

4.2 Illegale Tricks und Steuerbetrug

Noch problematischer wird es, wenn Steuervermeidung in den Bereich des Steuerbetrugs übergeht. Hierzu zählen etwa die Behauptung von Steuererstattungen für Beträge, die gar nie gezahlt wurden, das Verlegen des Hauptgeschäftssitzes oder Wohnsitzes in sogenannte Steuerparadiese oder das gezielte Verschleiern von Vermögen im Ausland. Solche Machenschaften können nicht nur zu erheblichen Steuerausfällen führen, sondern untergraben auch das Vertrauen in das Steuersystem und verursachen ökonomisch relevante Schäden – in manchen Fällen mehrere hundert Milliarden Euro jährlich.

4.3 Manipulation von Finanzmärkten

Neben der direkten Steuervermeidung gibt es auch Fälle, in denen durch Manipulationen an Aktien- und Wertpapierbörsen weitere unfaire Vorteile erlangt werden. Diese Praktiken sind oft komplex und international vernetzt, sodass sie schwer zu fassen und noch schwerer zu sanktionieren sind. Der Schaden, der hier der Gesellschaft entsteht, ist beträchtlich und führt zu einem erheblichen Vertrauensverlust in wirtschaftliche Institutionen und das gesamte Finanzsystem. 

  1. Gesellschaftliche Auswirkungen und ökonomische Schäden

Die ökonomischen Schäden, die durch Steuervermeidung und -betrug verursacht werden, werden häufig in Milliardenbeträgen beziffert. Dieses Ausmaß an Verlusten hat direkte Konsequenzen für den Staatshaushalt: weniger Steuereinnahmen bedeuten geringere finanzielle Mittel für öffentliche Dienstleistungen, Infrastrukturprojekte und soziale Sicherungssysteme. Gleichzeitig führt dieses Ungleichgewicht zu einem verzerrten Bild von Fairness und sozialer Gerechtigkeit. Während einzelne Bürger, die staatliche Leistungen beanspruchen, oft als arbeitsunwillig stigmatisiert werden, entziehen sich gutverdienende Bürger durch ausgeklügelte Steuerstrategien ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. 

  1. Vergleich: Bürgergeldempfänger versus Steuerhinterziehung bei Hochverdienern

Es ist wichtig, den Schaden, der durch illegale oder moralisch fragwürdige Steuerstrategien entsteht, im Vergleich zu den wenigen Fällen von angeblich asozialem Verhalten bei Bürgergeldempfängern zu betrachten:

  • Bürgergeldempfänger: Die Mehrheit der Menschen, die staatliche Unterstützungsleistungen beziehen, tun dies aus Notwendigkeit und stehen häufig vor erheblichen persönlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Die pauschale Behauptung, sie würden den Staatssystemen schaden, wird dabei oft ohne Berücksichtigung der Umstände erhoben.
  • Hochverdiener und Steuerbetrug: Im Gegensatz dazu ist der Schaden, der durch massive Steuervermeidung und -betrug entsteht, weitaus größer. Mehrere hundert Milliarden Euro jährlich an entgangenen Steuereinnahmen können zu strukturellen Problemen im Staatshaushalt führen und letztlich die gesamte Gesellschaft belasten. Dabei ist die gesellschaftliche Auswirkung nicht nur finanzieller Natur, sondern betrifft auch das Vertrauen in ein gerechtes und funktionierendes Steuersystem. 
  1. Politische und gesellschaftliche Implikationen

Die Debatte um das Label „asozial“ wird häufig instrumentalisiert, um politische Maßnahmen zu rechtfertigen, die in Wirklichkeit an der Wurzel des Problems vorbeigehen. Eine Fokussierung auf einzelne Gruppen – insbesondere Bürgergeldempfänger – als „faule“ oder „asoziale“ Menschen lenkt von der Notwendigkeit ab, systemische Probleme wie Steuervermeidung und Steuerbetrug bei gutverdienenden Bürgern konsequent anzugehen. Es bedarf einer umfassenden Reform, die nicht nur auf eine fairere Besteuerung abzielt, sondern auch sicherstellt, dass alle Teile der Gesellschaft ihren gerechten Beitrag leisten.

Die öffentliche Wahrnehmung muss sich ändern: Anstatt pauschale Zuschreibungen zu machen, sollte das Augenmerk auf transparente Steuerpolitik, eine effektive Bekämpfung von Steuerbetrug und eine gerechte Verteilung der Steuerlast gelegt werden. Nur so kann das Vertrauen in das Steuersystem wiederhergestellt und langfristig eine gerechtere Gesellschaft geschaffen werden. 

  1. Fazit

Zusammenfassend zeigt sich, dass die pauschale Abwertung von Bürgergeldempfängern als „asozial“ in der öffentlichen Diskussion ein verzerrtes Bild vermittelt. Während viele dieser Menschen unter schwierigen Umständen Unterstützung benötigen, agieren gutverdienende Bürger oft mit komplexen, manchmal illegalen Steuerstrategien, die dem Gemeinwohl erheblichen Schaden zufügen. Ein differenzierter Blick auf beide Seiten ist notwendig: Es gilt, soziale Unterstützung gerecht zu verteilen und gleichzeitig effektive Maßnahmen gegen Steuervermeidung und -betrug zu ergreifen, um eine faire und funktionierende Gesellschaft zu gewährleisten.

Diese umfassende Betrachtung soll dazu anregen, bestehende Vorurteile zu hinterfragen und die eigentlichen Problemfelder in den Blick zu nehmen – nämlich jene, die das Steuersystem und die gesellschaftliche Gerechtigkeit nachhaltig beeinträchtigen. 

  1. Das war eine ziemlich angeregte Diskussion:
    Wir haben aber noch weitere Fragen:

Dürfen wir davon ausgehen, dass unsere Rechte von den Politikern unserer sozialen Marktwirtschaft gewahrt werden, die sich von uns in den Bundestag und die Regierung haben wählen lassen?
Sind diese Volksvertreter nicht nur ihren Familien und Verwandten gegenüber loyal? Vertreten sie unsere Anliegen wie versprochen, halten sie sich korrekt an die Gesetze und die Ordnung, welche sie selbst (auch ihre Vorgänger) in unsere Welt gesetzt haben? Kann es sein, dass es Gesetze gibt, die nicht zwingend für alle gleichermaßen gelten?

Begehen wir eine große Fahrlässigkeit, wenn wir darauf hoffen, dass alles mit rechten Dingen zugeht?

Ist es sozial, wenn unsere Steuergroschen in waghalsigen Finanzierungen des Staates (unseres Staates) für Industrieprojekte verwendet werden, bei denen unsere Politiker womöglich gar nicht verstandenen haben, worum es den Industriellen tatsächlich geht?
Ist es sozial, unsere Steuern zur Rettung von Geldinstituten einzusetzen, die mit unseren Sparguthaben ungesichert spekulieren, um im Fall des Erfolges den Gewinn einzusacken und im Falle des Verlustes, die verlorenen Summen großzügig zu sozialisieren?

Ist es sozial uns zum Energiesparen aufzufordern, uns zu hohen Ausgaben zur Klimarettung zu verdonnern, unser Steuergeld in aller Welt zu verstreuen, uns davon zu überzeugen, dass wir sehr viel Steuern einnehmen, diese aber verschwenderisch ausgegeben werden und wir dann, wenn wir die Regierungsverantwortung aufgrund großartiger Versprechungen neu vergeben haben, erfahren, dass wir nun viel mehr ausgeben werden als je zuvor und dafür hohe Schulden machen?

Wenn ich meine Frau überrede mir zuzuhören, mir zu vertrauen, stramm zu sparen, dann unser gemeinsames Haus ohne Vorwarnung mit hohen Hypotheken belaste, ein großes Wohnmobil kaufe, welches uns Mobilität geben soll, diese Hypotheken so hoch sind, dass unsere Kinder sich noch jahrzehntelang damit abmühen müssen, dann ist das sozial?
Oder ist das nur noch merkwürdig?

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