Bei unserem letzten Frühstückstreffen klagte Roswitha darüber, dass der hübsche, stabile und ihr seit ihrer Kindheit über Jahrzehnte ans Herz gewachsene Kleiderschrank, den ihr Oma, als sie ins Pflegeheim umzog, geschenkt hat, unerträglich müffelte.
Der Schrank stand früher weder im Kleiderschrank, noch in feuchter Umgebung.
Dennoch war der Duft“ nicht erträglich.
Lüften helfe nichts, die Kleider – denen ihrer Meinung nach auch bereits ein muffeliger Geruch anhafte, zum Auslüften stundenlang auf die Terrasse zu hängen – war ohne Ergebnis.
Ein Problem gäbe es jedoch: Ihr Ehemann und ihr jugendlicher Sohn würde nichts, gar nicht riechen und sich hinter ihrem Rücken über sie lustig machen.
Ich habe von so etwas zwar gehört, aber niemals mitbekommen, dass nur eine Person in einer Familie so etwas erschnüffeln könne, während andere nicht wüssten, was damit gemeint sei.
Thomas konnte Roswitha aber bestätigen. Er kenne dies aus der eigenen Familie. Auch aus dem Haushalt seiner Großeltern, die ebenfalls uralte Möbel aufgehoben und benutzt haben.
Dort hatte seine Tante einen Einfall, durch welche diese Belästigung ein zufriedenstellendes Ende fand:
Essigwasser, Zitronenwasser für eine sorgfältige Grundreinigung mit feuchtem Schwamm und Lappen. Danach immer wieder Duftkissen mit mildem „Frühlingsduft“.
Die Tante und Thomas Mutter nahmen die Kleider und die Wäsche aus dem großelterlichen Schrank und wischten diesen sorgfältig mit 2%igem Essigwasser (Speiseeseig und Wasser je zur Hälfte) 2x aus.
Zitronensäure in Wasser aufgelöst hätte es auch getan.
Nachdem der Schrank erneut komplett ausgetrocknet war, waren alle Duftvariationen komplett verschwunden. Die inzwischen ebenfalls mehr als ausreichend ausgelüftete Kleidung und Wäsche trug – durch intensives Beschnüffeln getestet – keinen Geruch mehr mit sich.
Welch ein unerwartetes Ergebnis.
Was muss noch geschrieben werden?
Roswitha hat es ebenso gemacht. Sie und ihre Tochter haben sich den Schrank in der von Thomas geschilderten Weise vorgeknöpft und können inzwischen bestätigen, dass Thomas ihr absoluter Held sei.
Eins noch: Roswithas Mann und ihr Sohn, die den Müffelgeruch nicht bemerkt haben, meldeten, sie würden eine tollen und auffällig frischen Duft in der Wohnung wahrnehmen.
Merkwürdig ist das schon.
Ich möchte dazu keinen Kommentar abgeben.